02.08.2014 / Unkategorisiert / /

1. August Ansprache Obersaxen1. August Ansprache Obersaxen1. August Ansprache Obersaxen

Herr Gemeindepräsident, lieber Ernst
Liebe Obersaxerinnen und Obersaxer
Liebe Gäste, cars hosps, cari hospiti

Es freut mich heute bei Ihnen in Obersaxen die 1. August Ansprache halten zu dürfen. Als Präsident des Vereins opera viva, der hier in diesem Zelt bis am 10. August jeden zweiten Tag eine Oper aufführt, kann ich doch recht schnell den Bezug zu Obersaxen herstellen.

Nachdem unser Orchestra Giuseppe Verdi sie mit einem Konzert unterhalten hat, möchte ich doch noch einige Worte zu unserem Verein sagen. Der Verein wurde im 2005 von Thomas Mirer gegründet. Als Gründungspräsident baute er unseren Verein auf. Unter seiner Leitung wurden im 2006, 2007 und 2008 drei Opern aufgeführt. Seit 2009 darf ich den Verein präsidieren. In dieser Zeit haben wir ebenfalls drei Mal, alle zwei Jahre, eine Oper aufgeführt, nämlich im 2010, 2012 und jetzt im 2014.

Nun, heute feiert unsere Schweiz den 723. Geburtstag. Am Geburtstag unseres Landes ist es unsere Pflicht nachzudenken, was unser Land für uns bedeutet.

Wir leben in einer politisch und gesellschaftlich sehr bewegten Zeit. Mehr und mehr scheint sich die Frage zu stellen, will unser Land überall nachgeben und somit Standortvorteile preisgeben oder will es um jeden Preis Traditionen mit teilweise falschem Patriotismus zu verteidigen versuchen. Oder gibt es gar einen Mittelweg? Sie kennen vermutlich meine politische Herkunft und somit auch meine Liebe zum vernünftigen lösungsorientierten Mittelweg, welcher unserer Schweiz bis heute Erfolg beschert hat.

Das vergangene Jahr war eines der bedeutendsten in der jüngeren Geschichte der Schweiz. Ich denke da vor allem an das Ja von Volk und Ständen zur Masseneinwanderungsinitiative und dem damit verbundenen Marschhalt für neue Abkommen mit der Europäischen Union.

Warum löste dieses Ja so viel Diskussionen und so viel Unsicherheit aus? Bis zur Annahme der Initiative waren der Bundesrat und auch die Mehrheit des Parlaments der festen Überzeugung, dass der Bilaterale Weg in den nächsten Jahren, vielleicht sogar Jahrzehnten, der Königsweg in den Beziehungen mit der Europäischen Union sein wird. Schliesslich hat der Bilaterale Weg der Schweiz seit Ende der 90er Jahre eine bis heute anhaltende Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs und tausende neuer Arbeitsplätze gebracht. Die florierende Wirtschaft beschert unserem Land wichtige Steuereinnahmen.

Dank den Bilateralen Verträgen können wir die Nachfrage nach Arbeitskräften in den Spitälern, in der Industrie, dem Tourismus, der Landwirtschaft und anderen Branchen in allen Landesteilen decken. Dies erlaubt es unserer Wirtschaft zu wachsen. Gleichzeitig können wir dank dem Bilateralen Weg unsere direkte Demokratie und unseren traditionellen Föderalismus aufrechterhalten und zahlen vergleichweise wenig in den von der EU betriebenen Milliarden teuren Aufbau der Infrastruktur in den strukturschwachen Regionen Europas. Mit dem Bilateralen Weg können wir uns bislang auch von den Zwängen der Europäischen Währungs- und leider auch Schuldenunion fernhalten. Ich glaube man darf deswegen sagen, der Bilaterale Weg ist ein Erfolgsmodell für unser Land an dem wir unbedingt festhalten müssen.

Die EU ist für unser Land nicht ganz unbedeutend. 56% unserer Exporte gehen in die EU. Auch die Schweiz ist für die EU nicht niemand. 75% unserer Importe kommen aus dem EU-Raum. Wir sind immerhin der drittwichtigste Handelspartner, nach den USA und China. Es besteht also eine sehr grosse gegenseitige Abhängigkeit. Dies hat zur Folge, dass beide Seiten an funktionierenden Beziehungen interessiert sein müssen.

Die Schweiz ist wohl nicht niemand, aber für die meisten EU Mitgliedsstaaten eben doch nicht so bedeutend, als dass sie wegen uns ihre Politik grundlegend anpassen würden. Wir sind wohl der drittwichtigste Abnehmer von EU-Produkten und die EU bezieht aus der Schweiz am viertmeisten Produkte, aber das Handelsvolumen der EU mit der Schweiz macht für diese nicht einmal 7 % aus.

Wir können von der EU halten was wir wollen. Sicher ist aber, dass wir von der EU abhängiger sind, als diese von uns. Trotzdem müssen wir in Brüssel mit Stärke auftreten. Wir sind zwar klein, aber wir haben auch einiges zu bieten. Wir haben Institutionen die funktionieren, die uns Wohlstand gebracht haben.

Unser Land ist geprägt von einem ausgebauten Föderalismus und einem gelebten Subsidiaritätsprinzip. In unserem Land werden Entscheide unten und nicht fern der Bevölkerung getroffen und dann einfach in gleichmacherischer Art umgesetzt. Unsere 26 Kantone können für ihre Bedürfnisse angemessene Lösungen ausarbeiten und umsetzen. Unser System lässt massgeschneiderte Lösungen zu und versucht nicht alle Regionen gleichzusetzen. Und sollten wir Politiker zu weit gehen, sieht unser System für die Bevölkerung Vetomöglichkeiten in Form von Referendum und Initiative vor. Die EU könnte diesbezüglich einiges von uns lernen. Ich wünschte mir manchmal, dass auch in den Mitgliedsstaaten der EU die Volksrechte so ausgebaut wären, wie in der Schweiz. Das Verständnis für die nicht nur mit der Personenfreizügigkeit verbundenen Probleme wäre bedeutend grösser.
Ich wünsche mir für unser Land, dass es uns gelingen wird mit der EU eine neue Basis unserer Beziehungen zu finden und wir die mit der Zuwanderung verbundenen Probleme gemeinsam lösen können. Beide Seiten müssen ein massives Interesse an funktionierende Beziehungen haben.

Die Schweiz steht vor grossen aussenpolitischen Herausforderungen. Nichtsdestotrotz funktioniert unser politisches System im Inland im Vergleich mit dem Ausland sehr gut. Die Integration aller Parteien in den politischen Prozess und eine starke und ausgeglichene Mitte haben unserem Land zum Erfolg verholfen. Dazu kommt das äusserst bewährte Subsidiaritätssystem. Der Bund soll nicht Aufgaben übernehmen, die von den Kantonen besser gemacht werden können, der Kanton soll nicht Aufgaben übernehmen, die von den Gemeinden erledigt werden können und die Gemeinde soll nicht Aufgaben übernehmen, die von Organisationen und Vereinen bestens ausgeübt werden.

Gerade bei uns im Berggebiet dürfen wir auf ein sehr aktives und lebendiges Vereinsleben stolz sein. Viele von uns engagieren sich tagtäglich gemeinnützig, sei dies im sozialen, kulturellen oder sportlichen Bereich. In unserem Land wird sehr viel freiwillige Arbeit geleistet. Dies entlastet die verschiedenen Staatsebenen finanziell und somit uns alle. Tragen wir Sorge dazu.

Das Vereinsleben, die gemeinnützige Arbeit und das Engagement für die Gemeinschaft sind Grundpfeiler unseres Landes, genauso wie Föderalismus, Subsidiarität und Volksrechte. Ja, das eine geht nicht ohne das andere. Subsidiarität ist nur möglich, wenn es auf der tiefsten Ebene der Gemeinschaft Bürgerinnen und Bürger gibt, die Verantwortung übernehmen.

Ich möchte Sie alle ermutigen in unserer Gesellschaft aktiv zu bleiben und sich zu engagieren. Wir alle können im Alltag die Wertschätzung für solches Engagement spüren lassen und auch Vorbild sein. Wer sich freiwillig für etwas engagiert, der steht hinter seiner Tätigkeit und hinter dem Gemeinwesen. Wer das tut zeigt auch, dass sie oder er an die Zukunft unseres Landes glaubt und beitragen will unser Land vorwärts zu bringen. Das ist echter Patriotismus! Und jetzt spricht wieder der Präsident von opera viva: Sollten Sie diesen Beitrag für opera viva leisten, danke ich ihnen besonders herzlich dafür. Sollten Sie diesen Beitrag in Zukunft neu für opera viva leisten wollen, dürfen Sie gerne im Anschluss an meine Rede auf mich zukommen.

Wir alle haben es in der Hand, dass unsere Schweiz eine gute Zukunft haben wird. Packen wir dies gemeinsam an! Wir alle, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, haben das Privileg, wie in keinem anderen Land auf dieser Erde, auf allen Staatsebenen mitzugestalten und mitzuentscheiden. Nutzen wir dieses Privileg, die grosse Stärke unseres Erfolgsmodells Schweiz, vermehrt.

Handeln wir wieder mehr im Sinne der Einheit unseres Landes. Stehen wir zusammen, seien wir stolz auf unser Land, treten wir nach aussen mit geeinter Stimme auf und verteidigen wir unsere Interessen mit Engagement, Herzblut und Überzeugung. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein schönes 1. August-Fest!

Viva la Svizra, es lebe die Schweiz, vive la Suisse, viva la Svizzera!

Martin Candinas
Herr Gemeindepräsident, lieber Ernst
Liebe Obersaxerinnen und Obersaxer
Liebe Gäste, cars hosps, cari hospiti

Es freut mich heute bei Ihnen in Obersaxen die 1. August Ansprache halten zu dürfen. Als Präsident des Vereins opera viva, der hier in diesem Zelt bis am 10. August jeden zweiten Tag eine Oper aufführt, kann ich doch recht schnell den Bezug zu Obersaxen herstellen.

Nachdem unser Orchestra Giuseppe Verdi sie mit einem Konzert unterhalten hat, möchte ich doch noch einige Worte zu unserem Verein sagen. Der Verein wurde im 2005 von Thomas Mirer gegründet. Als Gründungspräsident baute er unseren Verein auf. Unter seiner Leitung wurden im 2006, 2007 und 2008 drei Opern aufgeführt. Seit 2009 darf ich den Verein präsidieren. In dieser Zeit haben wir ebenfalls drei Mal, alle zwei Jahre, eine Oper aufgeführt, nämlich im 2010, 2012 und jetzt im 2014.

Nun, heute feiert unsere Schweiz den 723. Geburtstag. Am Geburtstag unseres Landes ist es unsere Pflicht nachzudenken, was unser Land für uns bedeutet.

Wir leben in einer politisch und gesellschaftlich sehr bewegten Zeit. Mehr und mehr scheint sich die Frage zu stellen, will unser Land überall nachgeben und somit Standortvorteile preisgeben oder will es um jeden Preis Traditionen mit teilweise falschem Patriotismus zu verteidigen versuchen. Oder gibt es gar einen Mittelweg? Sie kennen vermutlich meine politische Herkunft und somit auch meine Liebe zum vernünftigen lösungsorientierten Mittelweg, welcher unserer Schweiz bis heute Erfolg beschert hat.

Das vergangene Jahr war eines der bedeutendsten in der jüngeren Geschichte der Schweiz. Ich denke da vor allem an das Ja von Volk und Ständen zur Masseneinwanderungsinitiative und dem damit verbundenen Marschhalt für neue Abkommen mit der Europäischen Union.

Warum löste dieses Ja so viel Diskussionen und so viel Unsicherheit aus? Bis zur Annahme der Initiative waren der Bundesrat und auch die Mehrheit des Parlaments der festen Überzeugung, dass der Bilaterale Weg in den nächsten Jahren, vielleicht sogar Jahrzehnten, der Königsweg in den Beziehungen mit der Europäischen Union sein wird. Schliesslich hat der Bilaterale Weg der Schweiz seit Ende der 90er Jahre eine bis heute anhaltende Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs und tausende neuer Arbeitsplätze gebracht. Die florierende Wirtschaft beschert unserem Land wichtige Steuereinnahmen.

Dank den Bilateralen Verträgen können wir die Nachfrage nach Arbeitskräften in den Spitälern, in der Industrie, dem Tourismus, der Landwirtschaft und anderen Branchen in allen Landesteilen decken. Dies erlaubt es unserer Wirtschaft zu wachsen. Gleichzeitig können wir dank dem Bilateralen Weg unsere direkte Demokratie und unseren traditionellen Föderalismus aufrechterhalten und zahlen vergleichweise wenig in den von der EU betriebenen Milliarden teuren Aufbau der Infrastruktur in den strukturschwachen Regionen Europas. Mit dem Bilateralen Weg können wir uns bislang auch von den Zwängen der Europäischen Währungs- und leider auch Schuldenunion fernhalten. Ich glaube man darf deswegen sagen, der Bilaterale Weg ist ein Erfolgsmodell für unser Land an dem wir unbedingt festhalten müssen.

Die EU ist für unser Land nicht ganz unbedeutend. 56% unserer Exporte gehen in die EU. Auch die Schweiz ist für die EU nicht niemand. 75% unserer Importe kommen aus dem EU-Raum. Wir sind immerhin der drittwichtigste Handelspartner, nach den USA und China. Es besteht also eine sehr grosse gegenseitige Abhängigkeit. Dies hat zur Folge, dass beide Seiten an funktionierenden Beziehungen interessiert sein müssen.

Die Schweiz ist wohl nicht niemand, aber für die meisten EU Mitgliedsstaaten eben doch nicht so bedeutend, als dass sie wegen uns ihre Politik grundlegend anpassen würden. Wir sind wohl der drittwichtigste Abnehmer von EU-Produkten und die EU bezieht aus der Schweiz am viertmeisten Produkte, aber das Handelsvolumen der EU mit der Schweiz macht für diese nicht einmal 7 % aus.

Wir können von der EU halten was wir wollen. Sicher ist aber, dass wir von der EU abhängiger sind, als diese von uns. Trotzdem müssen wir in Brüssel mit Stärke auftreten. Wir sind zwar klein, aber wir haben auch einiges zu bieten. Wir haben Institutionen die funktionieren, die uns Wohlstand gebracht haben.

Unser Land ist geprägt von einem ausgebauten Föderalismus und einem gelebten Subsidiaritätsprinzip. In unserem Land werden Entscheide unten und nicht fern der Bevölkerung getroffen und dann einfach in gleichmacherischer Art umgesetzt. Unsere 26 Kantone können für ihre Bedürfnisse angemessene Lösungen ausarbeiten und umsetzen. Unser System lässt massgeschneiderte Lösungen zu und versucht nicht alle Regionen gleichzusetzen. Und sollten wir Politiker zu weit gehen, sieht unser System für die Bevölkerung Vetomöglichkeiten in Form von Referendum und Initiative vor. Die EU könnte diesbezüglich einiges von uns lernen. Ich wünschte mir manchmal, dass auch in den Mitgliedsstaaten der EU die Volksrechte so ausgebaut wären, wie in der Schweiz. Das Verständnis für die nicht nur mit der Personenfreizügigkeit verbundenen Probleme wäre bedeutend grösser.
Ich wünsche mir für unser Land, dass es uns gelingen wird mit der EU eine neue Basis unserer Beziehungen zu finden und wir die mit der Zuwanderung verbundenen Probleme gemeinsam lösen können. Beide Seiten müssen ein massives Interesse an funktionierende Beziehungen haben.

Die Schweiz steht vor grossen aussenpolitischen Herausforderungen. Nichtsdestotrotz funktioniert unser politisches System im Inland im Vergleich mit dem Ausland sehr gut. Die Integration aller Parteien in den politischen Prozess und eine starke und ausgeglichene Mitte haben unserem Land zum Erfolg verholfen. Dazu kommt das äusserst bewährte Subsidiaritätssystem. Der Bund soll nicht Aufgaben übernehmen, die von den Kantonen besser gemacht werden können, der Kanton soll nicht Aufgaben übernehmen, die von den Gemeinden erledigt werden können und die Gemeinde soll nicht Aufgaben übernehmen, die von Organisationen und Vereinen bestens ausgeübt werden.

Gerade bei uns im Berggebiet dürfen wir auf ein sehr aktives und lebendiges Vereinsleben stolz sein. Viele von uns engagieren sich tagtäglich gemeinnützig, sei dies im sozialen, kulturellen oder sportlichen Bereich. In unserem Land wird sehr viel freiwillige Arbeit geleistet. Dies entlastet die verschiedenen Staatsebenen finanziell und somit uns alle. Tragen wir Sorge dazu.

Das Vereinsleben, die gemeinnützige Arbeit und das Engagement für die Gemeinschaft sind Grundpfeiler unseres Landes, genauso wie Föderalismus, Subsidiarität und Volksrechte. Ja, das eine geht nicht ohne das andere. Subsidiarität ist nur möglich, wenn es auf der tiefsten Ebene der Gemeinschaft Bürgerinnen und Bürger gibt, die Verantwortung übernehmen.

Ich möchte Sie alle ermutigen in unserer Gesellschaft aktiv zu bleiben und sich zu engagieren. Wir alle können im Alltag die Wertschätzung für solches Engagement spüren lassen und auch Vorbild sein. Wer sich freiwillig für etwas engagiert, der steht hinter seiner Tätigkeit und hinter dem Gemeinwesen. Wer das tut zeigt auch, dass sie oder er an die Zukunft unseres Landes glaubt und beitragen will unser Land vorwärts zu bringen. Das ist echter Patriotismus! Und jetzt spricht wieder der Präsident von opera viva: Sollten Sie diesen Beitrag für opera viva leisten, danke ich ihnen besonders herzlich dafür. Sollten Sie diesen Beitrag in Zukunft neu für opera viva leisten wollen, dürfen Sie gerne im Anschluss an meine Rede auf mich zukommen.

Wir alle haben es in der Hand, dass unsere Schweiz eine gute Zukunft haben wird. Packen wir dies gemeinsam an! Wir alle, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, haben das Privileg, wie in keinem anderen Land auf dieser Erde, auf allen Staatsebenen mitzugestalten und mitzuentscheiden. Nutzen wir dieses Privileg, die grosse Stärke unseres Erfolgsmodells Schweiz, vermehrt.

Handeln wir wieder mehr im Sinne der Einheit unseres Landes. Stehen wir zusammen, seien wir stolz auf unser Land, treten wir nach aussen mit geeinter Stimme auf und verteidigen wir unsere Interessen mit Engagement, Herzblut und Überzeugung. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein schönes 1. August-Fest!

Viva la Svizra, es lebe die Schweiz, vive la Suisse, viva la Svizzera!

Martin Candinas
Herr Gemeindepräsident, lieber Ernst
Liebe Obersaxerinnen und Obersaxer
Liebe Gäste, cars hosps, cari hospiti

Es freut mich heute bei Ihnen in Obersaxen die 1. August Ansprache halten zu dürfen. Als Präsident des Vereins opera viva, der hier in diesem Zelt bis am 10. August jeden zweiten Tag eine Oper aufführt, kann ich doch recht schnell den Bezug zu Obersaxen herstellen.

Nachdem unser Orchestra Giuseppe Verdi sie mit einem Konzert unterhalten hat, möchte ich doch noch einige Worte zu unserem Verein sagen. Der Verein wurde im 2005 von Thomas Mirer gegründet. Als Gründungspräsident baute er unseren Verein auf. Unter seiner Leitung wurden im 2006, 2007 und 2008 drei Opern aufgeführt. Seit 2009 darf ich den Verein präsidieren. In dieser Zeit haben wir ebenfalls drei Mal, alle zwei Jahre, eine Oper aufgeführt, nämlich im 2010, 2012 und jetzt im 2014.

Nun, heute feiert unsere Schweiz den 723. Geburtstag. Am Geburtstag unseres Landes ist es unsere Pflicht nachzudenken, was unser Land für uns bedeutet.

Wir leben in einer politisch und gesellschaftlich sehr bewegten Zeit. Mehr und mehr scheint sich die Frage zu stellen, will unser Land überall nachgeben und somit Standortvorteile preisgeben oder will es um jeden Preis Traditionen mit teilweise falschem Patriotismus zu verteidigen versuchen. Oder gibt es gar einen Mittelweg? Sie kennen vermutlich meine politische Herkunft und somit auch meine Liebe zum vernünftigen lösungsorientierten Mittelweg, welcher unserer Schweiz bis heute Erfolg beschert hat.

Das vergangene Jahr war eines der bedeutendsten in der jüngeren Geschichte der Schweiz. Ich denke da vor allem an das Ja von Volk und Ständen zur Masseneinwanderungsinitiative und dem damit verbundenen Marschhalt für neue Abkommen mit der Europäischen Union.

Warum löste dieses Ja so viel Diskussionen und so viel Unsicherheit aus? Bis zur Annahme der Initiative waren der Bundesrat und auch die Mehrheit des Parlaments der festen Überzeugung, dass der Bilaterale Weg in den nächsten Jahren, vielleicht sogar Jahrzehnten, der Königsweg in den Beziehungen mit der Europäischen Union sein wird. Schliesslich hat der Bilaterale Weg der Schweiz seit Ende der 90er Jahre eine bis heute anhaltende Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs und tausende neuer Arbeitsplätze gebracht. Die florierende Wirtschaft beschert unserem Land wichtige Steuereinnahmen.

Dank den Bilateralen Verträgen können wir die Nachfrage nach Arbeitskräften in den Spitälern, in der Industrie, dem Tourismus, der Landwirtschaft und anderen Branchen in allen Landesteilen decken. Dies erlaubt es unserer Wirtschaft zu wachsen. Gleichzeitig können wir dank dem Bilateralen Weg unsere direkte Demokratie und unseren traditionellen Föderalismus aufrechterhalten und zahlen vergleichweise wenig in den von der EU betriebenen Milliarden teuren Aufbau der Infrastruktur in den strukturschwachen Regionen Europas. Mit dem Bilateralen Weg können wir uns bislang auch von den Zwängen der Europäischen Währungs- und leider auch Schuldenunion fernhalten. Ich glaube man darf deswegen sagen, der Bilaterale Weg ist ein Erfolgsmodell für unser Land an dem wir unbedingt festhalten müssen.

Die EU ist für unser Land nicht ganz unbedeutend. 56% unserer Exporte gehen in die EU. Auch die Schweiz ist für die EU nicht niemand. 75% unserer Importe kommen aus dem EU-Raum. Wir sind immerhin der drittwichtigste Handelspartner, nach den USA und China. Es besteht also eine sehr grosse gegenseitige Abhängigkeit. Dies hat zur Folge, dass beide Seiten an funktionierenden Beziehungen interessiert sein müssen.

Die Schweiz ist wohl nicht niemand, aber für die meisten EU Mitgliedsstaaten eben doch nicht so bedeutend, als dass sie wegen uns ihre Politik grundlegend anpassen würden. Wir sind wohl der drittwichtigste Abnehmer von EU-Produkten und die EU bezieht aus der Schweiz am viertmeisten Produkte, aber das Handelsvolumen der EU mit der Schweiz macht für diese nicht einmal 7 % aus.

Wir können von der EU halten was wir wollen. Sicher ist aber, dass wir von der EU abhängiger sind, als diese von uns. Trotzdem müssen wir in Brüssel mit Stärke auftreten. Wir sind zwar klein, aber wir haben auch einiges zu bieten. Wir haben Institutionen die funktionieren, die uns Wohlstand gebracht haben.

Unser Land ist geprägt von einem ausgebauten Föderalismus und einem gelebten Subsidiaritätsprinzip. In unserem Land werden Entscheide unten und nicht fern der Bevölkerung getroffen und dann einfach in gleichmacherischer Art umgesetzt. Unsere 26 Kantone können für ihre Bedürfnisse angemessene Lösungen ausarbeiten und umsetzen. Unser System lässt massgeschneiderte Lösungen zu und versucht nicht alle Regionen gleichzusetzen. Und sollten wir Politiker zu weit gehen, sieht unser System für die Bevölkerung Vetomöglichkeiten in Form von Referendum und Initiative vor. Die EU könnte diesbezüglich einiges von uns lernen. Ich wünschte mir manchmal, dass auch in den Mitgliedsstaaten der EU die Volksrechte so ausgebaut wären, wie in der Schweiz. Das Verständnis für die nicht nur mit der Personenfreizügigkeit verbundenen Probleme wäre bedeutend grösser.
Ich wünsche mir für unser Land, dass es uns gelingen wird mit der EU eine neue Basis unserer Beziehungen zu finden und wir die mit der Zuwanderung verbundenen Probleme gemeinsam lösen können. Beide Seiten müssen ein massives Interesse an funktionierende Beziehungen haben.

Die Schweiz steht vor grossen aussenpolitischen Herausforderungen. Nichtsdestotrotz funktioniert unser politisches System im Inland im Vergleich mit dem Ausland sehr gut. Die Integration aller Parteien in den politischen Prozess und eine starke und ausgeglichene Mitte haben unserem Land zum Erfolg verholfen. Dazu kommt das äusserst bewährte Subsidiaritätssystem. Der Bund soll nicht Aufgaben übernehmen, die von den Kantonen besser gemacht werden können, der Kanton soll nicht Aufgaben übernehmen, die von den Gemeinden erledigt werden können und die Gemeinde soll nicht Aufgaben übernehmen, die von Organisationen und Vereinen bestens ausgeübt werden.

Gerade bei uns im Berggebiet dürfen wir auf ein sehr aktives und lebendiges Vereinsleben stolz sein. Viele von uns engagieren sich tagtäglich gemeinnützig, sei dies im sozialen, kulturellen oder sportlichen Bereich. In unserem Land wird sehr viel freiwillige Arbeit geleistet. Dies entlastet die verschiedenen Staatsebenen finanziell und somit uns alle. Tragen wir Sorge dazu.

Das Vereinsleben, die gemeinnützige Arbeit und das Engagement für die Gemeinschaft sind Grundpfeiler unseres Landes, genauso wie Föderalismus, Subsidiarität und Volksrechte. Ja, das eine geht nicht ohne das andere. Subsidiarität ist nur möglich, wenn es auf der tiefsten Ebene der Gemeinschaft Bürgerinnen und Bürger gibt, die Verantwortung übernehmen.

Ich möchte Sie alle ermutigen in unserer Gesellschaft aktiv zu bleiben und sich zu engagieren. Wir alle können im Alltag die Wertschätzung für solches Engagement spüren lassen und auch Vorbild sein. Wer sich freiwillig für etwas engagiert, der steht hinter seiner Tätigkeit und hinter dem Gemeinwesen. Wer das tut zeigt auch, dass sie oder er an die Zukunft unseres Landes glaubt und beitragen will unser Land vorwärts zu bringen. Das ist echter Patriotismus! Und jetzt spricht wieder der Präsident von opera viva: Sollten Sie diesen Beitrag für opera viva leisten, danke ich ihnen besonders herzlich dafür. Sollten Sie diesen Beitrag in Zukunft neu für opera viva leisten wollen, dürfen Sie gerne im Anschluss an meine Rede auf mich zukommen.

Wir alle haben es in der Hand, dass unsere Schweiz eine gute Zukunft haben wird. Packen wir dies gemeinsam an! Wir alle, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, haben das Privileg, wie in keinem anderen Land auf dieser Erde, auf allen Staatsebenen mitzugestalten und mitzuentscheiden. Nutzen wir dieses Privileg, die grosse Stärke unseres Erfolgsmodells Schweiz, vermehrt.

Handeln wir wieder mehr im Sinne der Einheit unseres Landes. Stehen wir zusammen, seien wir stolz auf unser Land, treten wir nach aussen mit geeinter Stimme auf und verteidigen wir unsere Interessen mit Engagement, Herzblut und Überzeugung. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein schönes 1. August-Fest!

Viva la Svizra, es lebe die Schweiz, vive la Suisse, viva la Svizzera!

Martin Candinas